Tag gegen Gewalt an Frauen
Die Gewalt an Frauen hat auch in dieser Gesellschaft viele Gesichter.
Meist ist sie dabei hierzulande strukturellen Natur. Sei es der Unterschied bei der Lohnfrage, die Sexualisierung der Frau im Alltag beispielsweise durch Werbung, Ideologien, die bereits in der Schule gelehrt werden (historisch verankerte Frauen-/Rollenbilder) oder die unbezahlte Reproduktionsarbeit in der Familie oder Beziehung.
So werden Frauen aufgrund der vorherrschenden hegemonialen Männlichkeit im Alltag oft nicht ernst genommen, nicht auf Augenhöhe behandelt und schlichtweg unterdrückt.
Fokus: Prostitution
Thematisiert man dieses Problem, redet man meist über die bürgerliche Gesellschaft und lässt dabei oftmals außer Acht, dass die „ach-so-reflektierte“ linke Szene selbst auch nicht frei von patriarchalen Strukturen und Einflüssen ist. Aufgrund dessen kommt es innerhalb der wirren linken Debattenkultur nicht selten vor, dass bürgerlich-liberale Standpunkte als „Standard“ und undiskutierbar gehandelt werden, wie zum Beispiel die dem Thema „Prostitution“.
So wird nicht nur ständig der Zeigefinger erhoben, wenn den selbsternannten ‚BefreierInnen der Frauen‘ auffällt, dass Menschen anstelle von „Sexarbeit“ Prostitution sagen; sondern es wird auch völlig ausgeblendet, dass „Sexarbeit“ eben keine Lohnarbeit ist wie jede andere. So häufig muss man sich in diesem Zusammenhang die Lobpreisung der angeblichen Selbstbestimmung anhören, mit der diese Tätigkeit verbunden sein solle.
Dass aber jene Frauen, die der Zwangsprostitution unterliegen den quantitativ wesentlichsten Teil ausmachen im Vergleich zu den Frauen, die diesen Beruf freiwillig wählen, scheint man dabei gänzlich zu verdrängen. Ausgehend von der strukturellen Gewalt an sich, der jede/r LohnarbeiterIn aufgrund der kapitalistischen Verhältnisse ohnehin ausgesetzt ist, erfahren (Zwangs-) Prostituierte noch eine viel enormere Abart der Gewalt.
Wenn Frauen nicht allein ihre Arbeitskraft, sondern darüber hinaus ihren Körper selbst als Ware anbieten müssen, kann von Selbstbestimmung doch nicht die Rede sein!
Angefangen bei der Terminvereinbarung, bei der der Freier vorgibt, wann und worauf er Bock hat, beziehungsweise die gegebenenfalls die der Zuhälter der Frau aufdiktiert, über eine immense Ansteckungsgefahr verschiedenster Geschlechtskrankheiten, die Beeinträchtigung ihres Privatlebens inklusive privatem Umfeld, bis hin zu traumatischen Erlebnissen, welche ihr Leben nachhaltig prägen, fallen einem schon genügend Assoziationen jenseits von „Selbstbestimmung“ ein…
Nicht selten kommt es vor, dass Freier die von der Frau gesetzten Grenzen überschreiten und es somit zu einer ganz offensichtlichen physischen Gewalttat kommt. Doch selbst das ist lediglich eine Facette der Gesamtpalette an Entwürdigungen, denen eine Prostituierte tagtäglich ausgesetzt ist. Tödliche Geschlechtskrankheiten, Suizid und gar Mord sind für viele Betroffene die erschütternde Perspektive der Zwangsprostitution.
Wir wollen und in dieser Debatte nicht auf die Seite derer stellen, die Prostituierte diskriminieren oder gar kriminalisieren.
Wir wollen unseren Hass auf ein System zum Ausdruck bringen, das Menschen dazu zwingt, ihren Körper und mit ihm auch ein Stück der eigenen Persönlichkeit als Ware auf einem Markt anbieten zu müssen.
Wir verspüren diesen Hass auf das selbe System, diesen bürgerlichen Staat, der eine Gesellschaft produziert, in der die Verrohung des Menschen soweit vorangeschritten ist, dass dieser umgekehrt die Körper Anderer gleichermaßen als Ware ansieht und kaufen will!
Da uns die besagte Debatte in der Vergangenheit schon mehrfach übel aufgestoßen ist, wollen wir in naher Zukunft einen umfassenderen Text zu dieser Thematik veröffentlichen.
Gegen jede Gewalt an Frauen!
Und Schluss mit der bürgerlich-liberalen Debattenkultur der linken Szene!
Für den proletarischen Feminismus!
