Die Isolation durchbrechen – Lützerath offensiv verteidigen

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Lützerath: Eine Analyse der Situation und ein Aufruf zur Verteidigung!

Wir befinden uns in Lützerath, einem besetzten Dorf am Rande des Braunkohletagebaus Garzweiler. Der
Widerstand und die Selbstorganisierung hier im Dorf wurden in den letzten zwei Jahren aufgebaut, haben
ihre Wurzeln jedoch in einer Bewegung, welche schon seit Jahrzehnten im Rheinischen Braunkohlerevier
aktiv ist. Da wir uns immer weiter auf eine potenzielle Räumung zu bewegen, haben wir in diesem Text
versucht, eine treffende Analyse zu erarbeiten. Denn nur durch eine Analyse der Taktik von Staat, RWE und
Polizei können wir Strategien entwickeln, unseren Widerstand aufrecht zu erhalten.
Erfolg und Misserfolg hängen dabei nicht nur von der Frage ab, ob wir die Räumung aufhalten können oder
nicht. Viel mehr versucht RWE mit der Hilfe von Staat und Polizei, unseren Widerstand zu brechen. Wir
sprechen von einem ganzen System, welches dieses Dorf angreifen möchte. Damit meinen wir nicht nur den
Staat und seine Polizei, sondern auch die Medien, das Rechtssystem, den herrschenden Diskurs und die
Desinformation, die das System stützen. Um gegen dieses gut organisierte System widerständig zu bleiben,
müssen wir passende Antworten auf die kommenden Angriffe finden. Eine ihrer Taktiken bei einer Räumung
wird sein, das Dorf auf allen Ebenen zu isolieren. Physisch gehen wir von einer polizeilichen Abschirmung
des Dorfes und Kontrollen der Zufahrtswege und Bahnhöfe aus. Dazu kommt eine informative Isolation
durch einseitige Berichterstattung. Die Polizei wird dafür eigene Medien wie bspw. Twitter benutzen und auf
die öffentlichen Medien durch Pressemitteilungen und Einschränkung der Bewegungsfreiheit der
Journalist*innen im Dorf wirken. Dazu kommt nach der potenziellen Räumung ein Rechtssystem, welches
die Polizei deckt, sowie auf die Verurteilung der Aktivist*innen ausgelegt ist. Was klingt wie eine Dystopie,
ist tatsächlich die Erfahrung aus früheren Räumungen.
Durch diese Analyse können wir anhand eigener Taktiken unserer Angst im Angesicht einer bevorstehenden
Räumung entschlossen entgegentreten. Denn nur, wenn wir die Taktiken des Feindes kennen, können wir
Wege finden, unsere eigene Kraft zu erkennen und die staatliche Isolation zu durchbrechen. Der Staat wird
versuchen, die Räumung durch überlegene Technik durchzusetzen. Wir dürfen uns auf diese Politik der
Isolation und Dominanz nicht einlassen. Während einige Aktivist*innen Lützerath im Dorf verteidigen,
müssen weitere dort in die Offensive gehen, wo wir für den Staat unbeherrschbar sind. Nur, wenn wir durch
diese Aktionsoffensive die Isolation des Dorfes durchbrechen, werden wir in der Stadt unseren Freund*innen
im Dorf gerecht. Auch der Widerstand in den Städten sollte aus einer möglichst großen Diversität an
Aktionen bestehen. Um dem zerstörerischen System, welches das Dorf dem Erdboden gleich machen will,
einen bedrohlichen Schlag zu versetzen, müssen wir dem System einen Schritt voraus sein.
Die Aktionsformen sollten auf die Aufklärung der Gesellschaft ausgelegt sein. Denn wenn wir für eine
befreite Gesellschaft kämpfen, muss die Aufklärung über das kapitalistische System und eine Erklärung
unseres Kampfes eine Priorität sein. Die Aktionsformen dazu können von legalen Aktionen wie
Demonstrationen, Infoveranstaltungen und Flyern bis zu illegalen Aktionen wie Plakatieren, Bannerdrops,
Ad-Busting und Graffiti reichen. Doch allein durch Aufklärung können wir im Kampf gegen das hoch
organisierte System nicht bestehen. Weitere Aktionsformen sollten darauf ausgelegt sein, das kapitalistische
System in Form des Staates und der großen Unternehmen anzugreifen.
Wenn der Staat die Selbstorganisierung der letzten zwei Jahre in Lützerath zerschlagen möchte, greift er
dadurch auch unsere Ideen und Träume an. Nur durch einen Gegenangriff können wir uns auf
gesellschaftlicher Ebene selbst verteidigen. Die Aktionsformen dazu können von zivilem Ungehorsam, bis zu
direkten Angriffen wie Sabotage oder Sachbeschädigung reichen.
Wir laden euch dazu ein, kreativ zu werden und euch zu organisieren: Werdet Teil des Widerstandes! Wenn
wir uns gegenseitig ergänzen, können wir zusammen gegen das System stehen. Lasst uns gemeinsam die
Isolation durchbrechen, in dem wir Lützerath offensiv verteidigen! Nur wer kämpft, wird frei sein!

(verschlüsselte) Mail:luetzi-action@riseup.net
Website: luetzerathlebt.info/soli-aktionen

(auf der Website findet ihr eine Aktionschronik sowie Anleitungen für Aktionen)

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