Zur Entwicklung des #Bannybleibt

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Abstract: 
Eine Erzählung von Problemen und Vorschlag von Lösungen. Ziel des Textes ist es auf Machtdynamiken hinzuweisen, Menschen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind und einen Anstoß für eine bessere Zukunft zu geben. Außerdem wollen wir eine Person direkt ansprechen, ohne die Gefahr einzugehen, dass diese sich von uns abgrenzt und wir so nicht mehr für sie da sein können.

 (Transparenzhinweis) Dieser Text wurde von einer Gruppe aus sechs Personen verfasst, die alle aktiv im Banny sind oder waren. Einige aus dem näheren Umfeld einer explizit angesprochenen Person. Alle Aussagen des Textes sind Konsensual, außer es ist explizit dort angegeben (bsp. "aussage von 3/6 unterstützt").Wir haben den Text bis auf einen einzelbeitrag nachträglich von einem computerprogramm überarbeiten lassen, um unseren schreibstil bis zu verschleiern.   Der langener Bannwald ist ein Mischwald in Hessen. Er wurde 2024 besetzt, um weitere Rodungen durch den Kiesförderer Sehring zu verhindern, der dort bereits eine gigantische Grube unterhält.  Die Besetzung fing energisch an und legte von Anfang an großen Wert auf Sicherheitsstandarts beim Bau und kollektivistische Organisation. Außerdem setzten die Besetzis viel auf Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und wurden von dieser, so wie vom "Aktionsbündnis langener Bannwald", stark unterstützt.   Als die Anfangseuphorie nachlies, wurde der Banny zunehmend leerer, weil Aktivisti aus der Region, die das Projekt maßgeblich mit aufgebaut hatten, ihre Zeit auch wieder anderen Orten widmeten. So waren an einem gewöhnlichen Tag, statt 15, eher fünf Menschen da. Durch diesen. für junge Waldbesetzungen leider nicht untypischen, Zustand war das leben dort sehr nah und persönlich, die Kontakte zum Aktionsbündnis eng und die Gesellschaft lebte sich ein. Die Menschen vor Ort waren meist um die fünf der gleichen fünfzehn Regelmäßigen aus nah und fern. Besuchende kamen leider oft nur für ein paar Tage, wenn auch sie immer wieder kamen. Entscheidungen im Wald wurden größtenteils in Plena getroffen, in denen ein Konsens angestrebt wurde. Dies sollte jedoch bald zum Konfliktpunkt werden. Eine lose Gruppe von Menschen, die zur etwa gleichen Zeit im Wald ankamen, blieben erfreulicher Weise länger als die meisten "neuen", und schien sich untereinander gut zu verstehen. Durch diese lose Gruppe, stieg die durchschnittliche Anzahl der Menschen vor Ort um etwa zwei, was auch in einigen vorher Aktiven, neue Motivation weckte. Anfangs entstand daraus ein kleiner Aufschwung vor Ort: Mehr Menschen, neue Strukturen, mehr Repro. Schnell jedoch entstanden kleinere Konflikte: Speziell eine Person tat sich dabei hervor, die (nach langem überlegen ist das die einzige formulierung, die wir im konsens dazu beschließen konnten) immer wieder mit verschiedenen Menschen aneinander geriet und dadurch auffiel, dass sie Menschen gegeneinander aufzubringen schien und Dynamiken lahmlegte. Was meinen wir mit lahmlegen?  Wir meinen, dass mensch wiederholt Regeln (wie den für Drogenkonsum eingerichteten, abgelegenen Konsumspace) missachtete, Plenumsbeschlüsse offen verachtete, Plena sabotierte und Menschen in Zweiergesprächen mit (zwischen verschiedenen gesprächen) widersprüchlichen Aussagen und falsch widergegebenen Situationen gegeneinander aufbrachte. Auf das "Plena sabotieren" möchte eine Gefährtin von uns nochmal genauer eingehen:  Zu Veranschaulichugn hier eine Situation: Mensch hat am anfasng vom plenum oft laut "garkein bocck" oder änliches gesagt, so laut das es das plenum gestört hat. Darauf ist ein anderes mensch beim 3. mal eingegangen und hat die person gebeten, die kritik sachlicher zu formulieren. daraus wurde dann ein neuer TOP für das plenum der dann auch direkt als nächstes besprochen wurde. In dem Besprechen kamen menschen darauf das plenum nicht gut als einzige organisationsform ist (was es auch nicht war zu dem zeitpunkt) und wir mehr außer-plenums organisationsformen etablieren sollte. Schon beim nächsten TOP wieder das gleiche "boah plenum ist kagge". So ging das weiter bis zum Ende. Dadurch waren am ende alle genervt und das plenum wurde immer schlimmer.  Nach diesem, von der Gefährtin beschriebenen, Plenum, ging das leider, obwohl noch am gleichen Tag alle der besprochenen Außer-Plenums-Partizipationsmöglichkeiten genutzt wurden, sehr ähnlich weiter: Folgende Plena wurden ähnlich sabotiert, wodurch mehr und mehr Menschen genervt von Plena wurden und sich insgesamt unwohler vor Ort fühlten. In den Wochen die auf dieses Plenum folgten, verbachten mehr und mehr Menschen weniger und weniger Zeit im Wald. Wir alle, die dies schreiben, sind zu etwa dieser Zeit weniger geworden, haben Besuche verfrüht abgebrochen, sind Tage statt Wochen geblieben oder manchmal garnicht erst gekommen. Zwei von uns sind jedoch auch zu dieser Zeit, wenn auch mit Bauchschmerzen, regelmäßig weiter da gewesen, ab hier beruht unser Text also überproportional auf den Erzählungen dieser beider.  In den folgenden Monaten wurde es kälter, vom Wetter und sozial im Wald. Die Menschen vor ort nahmen weiter ab, sodass bald meistens nur die vorhin erwähnte lose Gruppe blieb, die nun dauerhaft da war. In dieser Zeit veränderten sich viele Dynamiken im Wald. Repro wurde deutlich weniger, dafür deutlich sichtbarer gemacht, Plena wurden schon bald garnicht mehr abgehalten und jede Andeutung auf sie verächtlich gemacht. Der Drogenkonsum nahm rapide zu: Es wurde Gras in rauen Mengen geraucht und so einige Nase gepudert. Bald schon wurde der Konsumspace komplett ignoriert, der Rauchspace ebenfalls. Wir sagten manchmal was, nur nicht genug, weil wir nur abfällige Reaktionen bekamen und uns bald nicht mehr trauten. Material wurde zunehmend schlechter behandelt und Strukturen zunehmend unsicherer gebaut. Außerdem wurde das Verhältnis zu den Menschen aus der Umgebung immer schlechter: Der Ticker wurde fast nur noch zum Spendenauffordern genutzt und wir verloren langsam die Unterstützung des Aktionsbündnis. Und es waren immer weniger menschen vor Ort, selbst wir beide irgendwann kaum mehr. Viele der problematischen Dynamiken haben wir erst im Nachhinein so bemerkt: Zum Beispiel das gegeneinander aufstacheln, die manipulative Art, die patriarchalen Muster aus denen die beschriebene Person agiert und das direkte "Rausekeln" von einzepersonen. Das alles haben wir gesehen, aber uns nicht erlaubt es anzusprechen. Wir dachten bis vor wenigen Monaten alle, dass wir alleine wären mit unseren Gefühlen. Vor allem die männlich sozialisierten von uns hatten Angst, nicht neutral zu beobachten, sondern aus eigener Emotion unsachlich zu denken. Und wir alle wollten nicht eine Person konkret adressieren: Aus Angst mensch Unrecht zu tun und aus Verständnis für deren Situation. Doch seitdem wir darüber reden, merken wir erst wie groß das ist, wie vielen Personen es schlecht damit geht und dass wir auch Mensch zu Liebe darüber reden müssen. Am Ende richten wir noch ein paar Worte an mensch direkt. Jetzt erstmal zu heute: Jetzt wo es wärmer wird, kommen wieder mehr Menschen, zeitweise ist es richtig voll. Das ermöglicht unter anderem wieder räumlichen Abstand von dieser Person, was ein leichter trost ist. Der größere Trost ist die alten und neuen Gesichter (bzw. Mummen) zu sehen, die den Ort genießen, mitgestalten und neue Strukturen aufbauen. Das ist schön, viele Probleme bleiben jedoch. Wir alle, zumindest fast, sind wieder öfter da. Wir haben außerdem wieder mehr Hoffnung für diesen Ort. Hoffnung, dass das zusammenleben wieder angenehmer wird.  Endnote: Dieser Text ist lange überfällig und wir schreiben schon viel zu lange an ihm. Jetzt ist er raus und wird hoffentlich den gewünschten Effekt haben: Diesen Ort wieder belebbarer zu machen. Unsere Bitte an euch alle ist: Kommt vorbei, gestaltet diesen Ort mit, sprecht Probleme an und seid euch sicher, dass ihr nicht alleine seid!  Direkte Ansprache (nur an Mensch gerichtet): Hallo Mensch! Du kennst uns alle. Manche besser, manche schlechter. Manche aus dem Wald, andere nicht. Wir denken du weißt dass du gemeint bist, auch wenn wir uns nicht einig sind, was du bewusst und was unbewusst machst. Fünf von uns mögen dich, eine meinte "zu sagen ich mag mensch wöre etwas unerhlich". Auch dieser Mensch möchte aber, wie wir alle, das Beste für dich. Wir alle haben in verschiedenem Ausmaß (länger/kürzer, ferner/näher) mit dir zusammengelebt und unsere Gefühle in teilen für uns behalten, um dir nicht Unrecht zu tun. Eine von uns tut das auch gerade noch sehr eng, aber traut sich bei vielem nicht, dich direkt anzusprechen. Wir machen uns Sorgen. Wir wissen von vielen persönlichen Problemen, von Psyche, Abhängigkeit, abgebrochenem Studium und Verhältnis zu erzeugern. Wir haben darüher nachgedacht, ob wir eine "Intervention" für sinnvoll halten, bei der wir dich gemeinsam ansprechen, sind aber zu dem schluss gekommen, dass das wahrscheinlich eher dazu führen würde, dass du dich emotional von uns abgrenzt. Daher hier unsere Bitten: Bitte such dir regelmäßige Therapie (keine Verhaltenstherapie!) Bitte suche ab und zu auch bei dir selbst ProblemeBitte Nimm dich von Zeit zu Zeit zurück, vebring mal mehr Zeit außerhalb von Wald und reconnecte mit alten Leuten, von denen du dich distanziert hast.Bitte miss dich nicht höher als andereUnd bitte achte auf dich, auf deine Gesundheit und auf deinen Konsum. Wir haben dich lieb (aussage von 3/6 unterstützt)Einige von uns werden sich sicher nicht zu erkennen geben, nachdem du das hier gelesen hast, andere überlegen sich's noch. Die von uns die gerade schon dazu zählen, werden uns aber weiter bemühen, dir ein soziales Rückfallnetz zu sein.     

 

 

Die Buchäckern
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