CfA: Anarchismus und Sexualität(en)
Call for Articles: Anarchismus und Sexualität(en)
für espero #13
Anarchist_innen waren (und sind) stets aktiv in Befreiungsbewegungen – auch innerhalb sexueller Befreiungsbewegungen. Die erste Homosexuellenzeitungs Europas – Der Eigene – war eine anarchistische Gründung, die anarchistische Sexualreformbewegung setzte sich für die Entkriminalisierung von Homosexualität ein und auch in der Homosexuellenbewegung der 1960er Jahre waren Anarchist_innen wie der Franzose Daniel Guérin sehr aktiv. Gleichzeitig gab (und gib) es auch jede Menge Homo- und Transphobie in der Bewegung – inkl. des anarchafeministischen Flügels. Weibliche Homosexualität war zudem lange Zeit überhaupt kein Thema und wurde selbst in feministischen Strömungen ignoriert oder abgewertet. Ein früher Vorläufer der emanzipatorischen Strömungen und Kämpfe war hingegen der französische Frühsozialist Charles Fourier, der mit seiner Utopie einer freien Liebeswelt die Befreiung der Sexualität propagierte und als Vorläufer des Anarchismus gelten kann.
Anarchist_innen waren dabei stets aktiv in der Sexualaufklärung – und auch das wäre aus heutiger Sicht interessant zu beleuchten, was eine moderne Form und Inhalt anarchistischer Sexualaufklärung sein kann.
Aus aktueller Perspektive wären auch anarchistische Perspektiven auf andere Bereiche der Sexualität – z.B. auf sexuelle Subkulturen (Swinger_innen, BDSM, Fetisch) – und auch auf Phänomene wie Pornographie und Sexwork von Interesse. Gerade in Bezug auf Sexwork würde sich auch die anarchosyndikalistische Selbstorganisation von Sexworker_innen (z.B. im Rahmen der IWW oder der FAU) als Beitrag anbieten. Als Randaspekt könnte auch mal die Darstellung von Sexwork in anarchistischer Belletristik wie z.B. dem Werk von B. Traven näher untersuchen.
Weiterhin wäre der (anarcha-)feministische Diskurs über Sexualität von Interesse – z.B. eine Gegenüberstellung von den Positionen von Andrea Dworkin und Wendy MacElroy, als den Vertreterinnen sowohl des sog. sexnegativen als auch des sexpositiven Feminismus.
Ein anderer Teilaspekt ist die kulturelle Adaption des Themas Sexualität und Erotik in der anarchistischen Bewegung, d.h. wie wird Sexualität bzw. Erotik in anarchistischer Belletristik, Spielfilmen und bildender Kunst dargestellt. Dazu gehören u.a. die Darstellung von Sexualität in den Werken von Marquis de Sade, Octave Mirbeau, John Henry Mackay, Henry Miller, Ursula K. LeGuin oder Starhawk sowie in den Filmen von Luis Buñuel. Ebenfalls von Interesse wäre eine Untersuchung der Ästhetik in Bezug auf die Darstellung von Erotik in anarchistischen Publikationen.
Gesucht werden für die Ausgabe kritisch-fundierte Beiträge aus explizit anarchistischer Perspektive. Bitte schickt eure Vorschläge für Artikel in Form von kurzen Abstracts bis zum 1. Dezember 2025 sowohl an die Redaktion der Espero (kontakt@edition-espero.de) als auch an den Gastherausgeber Maurice Schuhmann (maurice.schuhmann@mailbox.org).
Mögliche Themen im Rahmen der Ausgabe wären z.B.:
- Erotik- und pornographische Literatur und Anarchismus (z.B. Octave Mirbeau, Henry Miller, Elfriede Jelinek) bzw. Darstellung von Erotik aus anarchistischer Perspektive (z.B. B. Traven, Starhawk, Ursula K. LeGuin)
- Anarchistische Erotik und Sexualität im Film (z.B. Luis Buñuel)
- Die erotische Ästhetik in der anarchistischen Publizistik
- Anarchismus und sexuelle Emanzipation / Befreiung(sbewegungen) (z.B. in der queeren und Homosexuellenbewegung)
- Anarchismus und Sexualaufklärung
- Verhältnis von Anarchismus und sexueller Subkultur(en)
- Sexualität als Thema des Anarchismus
- Anarchismus und Sexualität(en)
- Anarchistische Perspektiven auf Sexwork und anarchosyndikalistische Selbstorganisation von Sexworker_innen
Deadline für Abstracts: 1. Dezember 2025
